Schonmal einen Schiffsfriedhof gesehen? Nein? Dann ist jetzt eine gute Gelegenheit dafür! Wrecked ist ein virtueller Schiffsfriedhof, der zeigt, was in Ländern wie z.B. Indien bittere Realität ist: Ausrangierte, gestrandete Schiffe, die mit der Zeit verkommen und unter unmenschlichen Bedingungen auseinandergenommen werden.
Weder Traumschiff noch Raumschiff
Schon in CS:GO widmete sich morozov eher ungewöhnlichen Szenarien: Mit Waterfall und vor allem Swamp hat er sich einen Namen gemacht. In Counter-Strike 2 macht er mit seinen ausgefallenen Ideen weiter: Für den Mapcore Big Adventures Mapping Contest hat er zusammen mit OrelStealth, clapotron, BARS und AZero ein riesiges Schiffswrack konstruiert und daraus eine spielbare Map gemacht. Da es sich keineswegs um ein einfaches Thema handelt, war die Umsetzung mit Sicherheit eine Herausforderung.
Nicht nur, dass auch das Innenleben der Schiffswracks glaubwürdig gestaltet werden musste. Es darf natürlich auch nicht an Abwechslung fehlen und das Ganze muss sich am Ende möglichst gut spielen. Um das Schiffswrack herum befindet sich deshalb eine Containersiedlung, in der sich laut Mapbeschreibung Anarchisten niedergelassen haben. Die wirklich vielen Container formen die Routen und ein fragwürdiges Chemielabor innerhalb der Schiffstrümmer dient als Bombenplatz. Thematisch passend wirkt alles wie eine Müllhalde. Eine bunte Müllhalde, auf der Schiffe entsorgt werden.
Die knallbunten Container stechen ins Auge und mögen zunächst etwas seltsam wirken. Mit ihren vielen grellen Farben und den teilweise aufgesprühten Graffitis sorgen sie jedenfalls für einen sehr speziellen Look. Zudem sind sie immer schön mit etwas Varianz platziert, so dass es kaum rechte Winkel gibt und die Umgebung dynamischer wirkt. Wenn man sich durch den Containerdschungel bewegt, kann man die gewisse Verrücktheit regelrecht spüren. Zugegebenermaßen gehen die Farbtöne an manchen Stellen aber schon ans Limit des stilistischen Rahmens.
Zwar dominieren die Container durch Anzahl und Aussehen das Gesamtbild, doch ein paar andere Objekte wie z.B. Reifenstapel lassen auch das „Schrottplatz“-Gefühl aufkommen. Die Strandumgebung mit weiteren Wracks untermalt das Hauptthema. Die tiefe Sonne sorgt fast schon für etwas Idylle. Durch den relativ flachen Einfallswinkel des Lichts schwächelt die Beleuchtung aber insgesamt, wodurch es stellenweise an notwendigen Kontrasten mangelt. Das fällt beispielsweise auf, wenn sich Geröll im Schatten befindet oder einzelne Containerwände nicht genügend Licht abbekommen. Es wirkt dann alles ziemlich flach. Die Normalmaps der sonst guten Texturen können durch das fehlende Licht nicht richtig genutzt werden. Zusätzliche kleine Lichtquellen würden dem entgegenwirken.
Orientieren kann man sich übrigens am Kran, der einen zu Bombenplatz B führt. Leider ist dieser Spot optisch ziemlich langweilig. Es ist einfach eine etwas größere Fläche inmitten der Container. Ohne die entsprechende Markierung würde man wahrscheinlich gar nicht realisieren, dass hier die Bombe gelegt werden soll. Auf der anderen Seite der Map wird dieses Problem durch das namensgebende, zerstöre Schiff verhindert.
Das monströse, zerteilte Wrack überzeugt von außen mit seiner rostigen Fassade. Durch die großen Löcher gelangt man hinein. Und innen wurde viel Detailarbeit geleistet, um den Spieler für etwas zu begeistern, das er wahrscheinlich im echten Leben noch nie gesehen hat. Überall Dreck und Rost, meterlang verlaufende Schläuche, teilweise abgedeckte Wände und eine dubiose Ausstattung an Pflanzen und chemischen Behältern. Das sieht schon ziemlich gut aus. Man kann sich sicher sein: Hier hat auf jeden Fall etwas Illegales stattgefunden.
Was die allgemeine Gestaltung der Map angeht, gibt es nicht wirklich etwas zu kritisieren. Vor allem die Route Richtung A und der Bombenplatz selbst, die sich im Inneren des Wracks befinden, wirken imposant. Diese Bereiche sind gut gelungen. Als nettes Gimmick gibt es sogar eine funktionierende Schießbude.
Backbord, Steuerbord, über Bord
Neben dem interessanten Thema wollten morozov & Co. für den Mapcore Mapping Contest ein nicht allzu komplexes Layout kreieren, das aber zumindest ein paar Kniffe besitz.
Der klassischen 3-Wege-Aufbau ist klar zu erkennen. Das einzig Herausstechende ist die verknotete Mitte. Und diese entpuppt sich mit ihren krassen 90 Grad Winkeln leider eher als Schwachpunkt. Hier muss man sich teilweise recht weit drehen, um die gewählte Route zum Ziel weiterzuverfolgen. Und anfangs kann es der Aufbau auch etwas verwirrend wirken. Es ist einfach nicht intuitiv zu navigieren und wirkt eher aufgesetzt.
Auch die wie ein Tor wirkende Engstelle in der Mitte ist nicht überzeugend. Sie beeinflusst das Gameplay nicht maßgeblich und wirkt damit fast schon etwas unnötig. Für die Angreifer ist die Mitte insgesamt gar nicht zwangsweise notwendig, weil sich die direkten Routen als bessere Optionen erweisen.
Das Konstrukt rund um die Mitte könnte also zielgerichteter sein. Dafür wäre bei den Bombenplätzen etwas mehr Unkonventionalität wünschenwert gewesen. Diese sind nämlich vom Gamepaly her ziemlicher Standard. Reguläre Zugänge, etwas Deckung auf dem Spot und bei A noch ein Höhenunterschied, aber ansonsten keine besonderen Merkmale. Wenn nur das Schiffswrackthema hier noch mit einem einzigartigen Gameplay Feature gepunktet hätte!
Es gibt zumindest bei A eine aufgebrochene Wand, die eine mittelweite Sichtlinie öffnet, so dass sich Angreifer und Verteidiger hier relativ bald ein Duell liefern können. Möglichkeiten für Granatenwürfe sind auf dieser Route auch gegeben. Diesbezüglich hat der Außenbereich bei B natürlich auch kein Problem. Dafür bietet der Bombenplatz an sich fast nichts. Eine kleine Eckie zum „verstecken“ und minimalistische Deckung.
Positiv fällt auf, dass die Routen zu den Bombenplätzen gezielt mit verschiedenen Oberflächen ausgestattet sind, was für unterschiedliche Laufgeräusche sorgt. Besonders auffallend ist das Wasser Richtung B, während sich Holz unter anderem als Boden in Containern befindet und in der Mitte durch einzelne Bretter zusätzlich präsent ist. Im Schiffswrack sind die Laufgeräusche wegen der dominierenden Blechböden meistens eher dumpf. Auf und um die Bombenplätze herum wechseln sich die Oberflächen ab, so dass Schritte leichter zu orten sind.
Fazit zu Wrecked
Das ausgefallene Setting von Wrecked birgt viel Potenzial, was es zu einer der interessantesten Maps im Mapcore Contest machte. Die hohen Erwartungen kann das finale Werk leider nicht vollständig erfüllen. Die Optik würde von einer besseren Beleuchtung profitieren und das Layout ist in der Mitte eher unnötig komplex. Trotz dieser Schwachpunkte gehört Wrecked mit seinem beeindruckend umgesetzten Schiffsfriedhof zu den besseren Contest Maps.
Download: Wrecked im Steam Workshop








